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Energienews


13.02.2018

Lob und Tadel der Verbände zum Koalitionsvertrag

Und die Branche wird sich in Geduld üben müssen. Wesentliche Weichenstellungen sind ersten in den kommenden Jahren zu erwarten, denn die erneute Verschiebung der Zuständigkeit für Bauen, nun vom Umweltministerium zum Bundesminister für „Innen, Bau und Heimat“, wird über viele Wochen die Facharbeit lähmen.

  • Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der dena-GeschäftsfĂĽhrung, in einem Kommentar im Tagesspiegel: „Der Kurs stimmt, und es sind gute Ansätze erkennbar.“ Und weiter: „Die im Koalitionsvertrag vorgesehenen MaĂźnahmen sind wichtig, fĂĽr die Erreichung der gesteckten Ziele wird aber noch einiges hinzukommen mĂĽssen.“ Als besondere Herausforderung stuft Kuhlmann in der Veröffentlichung den Zeitplan fĂĽr die Energiewende-Kommissionen an – die ja zuerst konstituiert werden mĂĽssen – deren identifizierten MaĂźnahmen aber schon 2019 in einer rechtlich verbindliche Umsetzung mĂĽnden sollen.

  • Der Gebäudeenergieberater Ingenieure Handwerker – Bundesverband (GIH) hat seine Stellungnahme mit „Koalitionsvertrag springt energiepolitisch zu kurz“ ĂĽberschrieben. „Die Energiepolitik wird stiefmĂĽtterlich behandelt und längst nötige Weichenstellungen bleiben aus.“ Lobenswert seien jedoch die Pläne zur Verstetigung der Förderlandschaft sowie zur steuerlichen Absetzbarkeit von SanierungsmaĂźnahmen. „Problematisch ist vor allem, dass der Weg zum Niedrigstenergiegebäude nicht gegangen wird. Die EU-Anforderungen an Gebäude sind auf Basis der aktuellen energetischen Vorgaben fĂĽr Bestand und Neubau schlichtweg nicht erreichbar.“ Weitere lobenswerte Schritte in die richtige Richtung seien der adressatengerechte Ausbau der Energieberatung sowie die EinfĂĽhrung einer steuerlichen Sanierungsförderung. „Bauchschmerzen“ bereitet dem Verband jedoch die angedachte Fokussierung kĂĽnftiger gesetzlicher Vorgaben auf CO2-Emissionen. „Wir treten ganz klar fĂĽr eine ganzheitliche Betrachtung von Gebäuden ein, also von HĂĽlle und Technik. Der CO2-AusstoĂź darf gerne als eine zusätzliche Anforderung aufgenommen werden. WĂĽrde ausschlieĂźlich auf die CO2-Einsparung geachtet, könne dies zu Lasten des Wärmeschutzes an der GebäudehĂĽlle gehen.“ Fraglich sei auch, ob es im CO2-Gebäudesanierungsprogramm langfristig Sinn mache, den Austausch alter und ineffizienter Heizungsanlagen gegen moderne und hocheffiziente Heizungen zu fördern, die aber immer noch mit ausschlieĂźlich fossilen Brennstoffen arbeiten.

  • Das Deutsche Energieberater-Netzwerk (DEN) hat die GroKo-Vereinbarungen mit Enttäuschung zur Kenntnis genommen. „Aus unserer Sicht zeigen die Koalitionäre in energie- und klimapolitischen Fragen zu wenig Ehrgeiz“, kommentiert der DEN-Vorsitzende Hermann Dannecker. „Es gibt einige begrĂĽĂźenswerte Vereinbarungen zwischen den Parteien, aber insgesamt wirkt das Papier wenig ambitioniert. Die Systematik und die klare Zielsetzung, welche der Koalitionsvertrag 2013 noch erkennen lieĂź, fehlt hier.“ BegrĂĽĂźt werden die angekĂĽndigte steuerliche Absetzbarkeit von energetischen SanierungsmaĂźnahmen und die Verstetigung und endkundenfreundliche Umgestaltung von KfW-Programmen. Kritisiert wird die Aussage: „Die Energieberatung wollen wir ausbauen und adressatengerechter gestalten.“ Dannecker: „Was soll das denn konkret heiĂźen? Erst vor wenigen Wochen wurde der Kreis antragsberechtigter Energieberater enorm erweitert – eine umstrittene Entscheidung. Wir können nur dringend davor warnen, Unabhängigkeit und Qualität von Energieberatern – wie sie vor vier Jahren noch im damaligen Koalitionsvertrag eigens festgeschrieben wurde – weiter zu reduzieren. Vielmehr hätte man endlich dazu kommen sollen, ein eigenes Berufsbild fĂĽr EnergieberaterInnen zu schaffen.“ DEN kritisiert zudem, dass die Koalitionäre bei der Dekarbonisierung zu zaghaft vorgehen wollen. DEN-Vorstand Hinderk Hillebrands: „Einerseits fĂĽr den Einsatz erneuerbare Energieträger im Gebäudebereich einzutreten und gleichzeitig etwa die Ă–lbrennwerttechnik zu fördern, ist widersinnig. Diese sogenannte Technologieoffenheit ist ein Kotau vor der Lobby der groĂźen Heizungshersteller.“

  • Der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) hat die im Koalitionsvertrag enthaltenen MaĂźnahmen fĂĽr den Wärmemarkt, „insbesondere die technologieoffene Ausgestaltung der Förderkulisse“ begrĂĽĂźt. BDH-Präsident Manfred Greis: „Bis 2030 mĂĽssen 13 Mio. völlig veraltete Wärmeerzeuger ausgetauscht werden, um das Klimaziel zu erreichen. Um den Sanierungsstau aufzulösen werden alle verfĂĽgbaren Effizienztechnologien benötigt […] auch die hocheffiziente Brennwerttechnik. Bis 2050 muss die Anlagentechnik ohnehin noch zweimal erneuert werden, und im größten Teil des Gebäudebestands sind zunächst mehr oder weniger aufwändige bauliche MaĂźnahmen erforderlich, bevor eine Wärmepumpe dort ihr Effizienzpotenzial auch vollständig ausschöpfen kann. Das kostet Zeit und Geld. Daher empfiehlt es sich in vielen Fällen, schrittweise vorzugehen und schnellstmöglich einen Brennwertkessel oder ein hybrides System einzusetzen, während die folgenden Jahre fĂĽr die Dämmung von Dach und HĂĽlle sowie den Einbau von Isolierfenstern genutzt werden.“

  • FĂĽr den Bundesverband Wärmepumpe (BWP) ist der Koalitionsvertrag „eine wärmepolitische Enttäuschung.“ BWP-GeschäftsfĂĽhrer Martin Sabel: „Der Koalitionsvertrag lässt die erforderliche Ambition vermissen, um die Energiewende im Heizungskeller wirklich und wirkungsvoll voranzubringen. Angesichts der Bedeutung dieses Sektors fĂĽr die Energie- und Klimaziele ist das Ergebnis eine herbe Enttäuschung.“ Bei den Inhalten der Regierungsvereinbarung seien bestenfalls homöopathische MaĂźnahmen erkennbar. Sabel: „Eine Vereinfachung und EntbĂĽrokratisierung des Energieeinsparrechts und die FortfĂĽhrung der bestehenden Förderprogramme sind natĂĽrlich grundsätzlich positiv und werden von uns begrĂĽĂźt – sie treffen aber nicht den Kern des Problems. Vor allem eine Reform der Steuern, Abgaben und Umlagen im Energiebereich sowie eine Weiterentwicklung der Neubaustandards wären aus unserer Sicht notwendig.“

  • Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) bewertet den Koalitionsvertrag mit „mehr Licht als Schatten“: „Im Kapitel Bauen werden richtige Investitionsanreize gesetzt: Dazu zählen die Wohnraumoffensive, die EinfĂĽhrung eines Baukindergelds, die FortfĂĽhrung der Förderung der energetischen Gebäudesanierung (inkl. einer steuerlichen Förderung derselben), die EinfĂĽhrung steuerlicher Anreize im frei finanzierten Wohnungsbau […]. Auf der anderen Seite werden mit der Verschärfung der Mietpreisbremse und der Absenkung der Modernisierungsumlage auf max. 3 Euro/m2 die BemĂĽhungen um höhere private Investitionen konterkariert. Ohne eine Ausweitung der energetischen Gebäudesanierung sind jedoch die Klimaschutzziele nicht zu erreichen.“

  • Bundesverband energieeffiziente GebäudehĂĽlle (BuVEG): „Die Klimapläne […] sind dĂĽrftig und inkonsequent. Es ist ein schwerer Fehler, die energetische Sanierung der Gebäude in Deutschland derartig zu vernachlässigen. Energiepolitisch wird Deutschland damit um Jahre zurĂĽckgeworfen.“

  • Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW): „Die Vereinbarungen im Bereich Energiepolitik sind kein groĂźer Wurf, sondern mutloses Mikromanagement. […] Ein [..] groĂźes Manko: Strom soll nicht von Steuern und Abgaben entlastet werden.“

  • Deutsche Umwelthilfe (DUH): CDU, CSU und SPD scheiterten in ihrem Verhandlungsmarathon daran, sich auf konkrete MaĂźnahmen fĂĽr den Klimaschutz, wie den Kohleausstieg, mehr Gebäudeeffizienz und CO2-Einsparung im Verkehrssektor zu einigen. Stattdessen wird die Verantwortung auf Kommissionen ausgelagert. Diese Verschiebung politischer Entscheidungen in auĂźerparlamentarische Kommissionen wird […] dazu fĂĽhren, dass ĂĽber die kommenden Monate bis Jahre das gesetzliche Handeln im Klimaschutz weiter auf Eis liegen wird.“

  • Bundesverband Solarwirtschaft (BSW): „Der Koalitionsvertrag bietet Chancen fĂĽr den stärkeren Ausbau von Solar- und Speichertechnologie, enthält aber auch erhebliche Defizite – eine schnelle Umsetzung und Nachbesserungen sind erforderlich.“

  • Zukunft Erdgas: „Wenn dieser Koalitionsvertrag der Kompass fĂĽr die kommenden vier Jahre sein soll, dann wird das in vielen Bereichen eine energie- und klimapolitische Irrfahrt.“

Einen Auszug der Gebäude- und Energiethemen im Koalitionsvertrag enthält der Artikel Energieberater-Themen im GroKo-Vertrag.




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